Geschichte ist Gegenwart! Der History & Politics Podcast der Körber-Stiftung

Geschichte ist Gegenwart! Der History & Politics Podcast der Körber-Stiftung

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00:00:04: Herzlich willkommen

00:00:05: zu

00:00:06: Erinnerungskämpfe, der Podcastsonderreihe

00:00:08: der Körberstiftung.

00:00:12: Mit mir ist Herr Dietzscher Haruna Elka.

00:00:14: Ich bin Journalistin und Autorin und Gasthaustin in dieser Serie der Redaktion Geschichte Ist Gegenwart mit der Leitfrage Was ist uns als Gesellschaft die plurale Demokratie noch wert?

00:00:26: Ja und dieser Podcast verhandelt warum die Erfolgsgeschichte der deutschen Erinnerungskultur zu Ende erzählt ist Und uns als gesellschaft ein kulturelles Gedächtnis fehlt dass stark genug ist, um sich menschenfeindlichen Entwicklungen entgegenzustellen.

00:00:40: Und natürlich geht's auch darum was es dazu braucht.

00:00:43: Darüber spreche ich in vier Folgen mit für mich richtungsweisenden Menschen und die heutige Folge hat Katja Fauser aus der Redaktion der Körberstiftung mit mir vorbereitet.

00:00:53: Hallo!

00:00:55: Wir haben die Themen ja der vier Folgens so gemeinsam konzipiert und diese Folge etwas zugespitzt.

00:00:59: Wurzelkunde Deutsch sein als Wert genannt.

00:01:02: Lass uns doch kurz darüber sprechen Wie es dazu kam, warum uns diese Lesart so wichtig war?

00:01:08: Die Welt ist in Unordnung, würde ich sagen.

00:01:12: Deutschland auch Europa und viele Teile der Welt sind im Krisenmodus.

00:01:17: Warum unsere Weltordnung so global wie wir sie kannten, ist stark in Bewegung.

00:01:22: die Weltwirtschaft wird das Leben für viele Menschen gerade wirklich wahnsinnig verändern.

00:01:28: Und die Sicherheitslage auch in Europa hat sich wirklich verschlechtert in den letzten Jahren.

00:01:32: In dieser Situation fallen uns auch in Deutschland ganz viele, ich sage mal ungemachte Hausaufgaben ziemlich schmerzhaft auf die Füße.

00:01:40: und eine davon ist ja dass wir versäumt haben für uns im Land eine ganz wichtige Frage gemeinschaftlich zu beantworten oder vielleicht auch zwei Fragen.

00:01:50: Was ist das Deutsch?

00:01:51: Und wer ist das eigentlich wir?

00:01:54: In dieser ersten Folge von den Erinnerungskämpfen geht es darum was wir mit Blick auf die koloniale Geschichte Deutschland hier versäummt haben Und was es alles zu entdecken gibt, wenn wir unseren Horizont weiten?

00:02:08: Ja das, was du sagst, resoniert natürlich bei mir.

00:02:10: Weil diese aus meiner Perspektive diese Was-es-Deutsch-Frage in einer gewissen Form immer schon lange beantwortet wurde nämlich mit einem weißen und einer bestimmten Vorstellung von Deutsch.

00:02:20: sein ist auch Teil der Geschichte.

00:02:22: Und genau das ist ja auch das Spannungsfeld, indem wir uns jetzt befinden und auch mit unserem Gast eben sprechen die koloniale Geschichte Die Konkurrenz, die Infragestellung von Geschichte, die Gleichzeitigkeit und die Diskussion.

00:02:36: Dies gibt wenn wir uns den aktuellen Antisemitismus-Diskurs und die Aufarbeitung der Geschichte des Shoah anschauen eben auch die Pluralität staatlicher Massen verbrechen Und du sagst uns fallen Dinge auf die Füße?

00:02:50: Genau das sehe ich auch so.

00:02:52: und Die Frage ist ja wie kommen wir da durch und was hilft uns Geschichte raus auch aus so einem Hierarchie denken zu kommen?

00:02:59: Und für mich ist das auch ein Grund, warum wir die vier Folgen über Erinnerungskultur unter der Rubrik Werte laufen lassen.

00:03:05: Gemeins sind im doppeldeutigen Sinne bezogen eben auf Überzeugungen und Prinzipien, die wichtig in einer Gesellschaft gelten.

00:03:11: aber ich meine da weniger so Tugenden deutscher Werte vermeintlich deutscher werte sondern insbesondere demokratische Werte zu denen eben ja auch Menschenrechte zählen.

00:03:21: Das ist das Spannungsfeld.

00:03:23: Sie haben eine lange Geschichte eine Vorgeschichte viele unerzählte Geschichten Und darüber spreche ich mit dem Literaturwissenschaftler und Kurato Ibo Diop aus postkolonialer Perspektive.

00:03:34: Du hast ja unserem Gespräch zugehört, wir haben dich schon aufgezeichnet – vielleicht ganz kurz?

00:03:39: Was war dein Eindruck?

00:03:41: Also mich hat wirklich nochmal diese wirklich große Vielseitigkeit der Eindruck, die er in dieses Gespräch mitgebracht hat.

00:03:47: Er schöpft auch so viel verschiedenen Quellen!

00:03:49: Er hat seinen großen wissenschaftlichen Background als Literatur-Wissenschaftler.

00:03:53: Das haben wir gemerkt im Gespräch Aber es gibt noch viele andere Perspektiven.

00:03:57: Er ist ein Praktiker, er ist als Kurator und auch innerhalb von Institutionen selbst in der Rolle als Vater hat er Perspektive hier eingebracht.

00:04:06: also ich glaube da gibt es sehr viel mit ihm zuzuhören, mitzugehen und er kann wirklich Köpfe öffnen.

00:04:15: was er uns mitgegeben hat in diesem Podcast

00:04:17: Ja das kann ich nur unterstreichen so ging's mir auch Ich während dieses Gesprächen hatte einen absoluten Mehr- und Lernwert.

00:04:24: Ich kenne Ibo aus unterschiedlichen Arbeitskontexten und schätze an seinen Gedanken so eine immer nachdenkliche, differenzierende aber auch unterschiedliche Kontextverbindene Art.

00:04:33: Man muss auf jeden Fall aufmerksam sein um diese Perspektive zwischen hier und dort also Deutschland und dem afrikanischen Kontinent und die Komplexität der Realitäten zu verstehen und vor allem ich glaube das ist die Überschrift sich zu öffnen.

00:04:48: und damit geht es los mit dem Gespräch Wurzelkunde, Deutsch sein als wer.

00:05:04: Das ist der Titel dieser ersten Folge des Podcasts Erinnerungskämpfe mit meinem Gast Ibu Diop.

00:05:10: Hallo!

00:05:14: Ich habe an dieser Stelle bereits erzählt dass wir uns aus unterschiedlichen Arbeitskontexten kennen und dass wir darum auch per du sind.

00:05:21: Und gleichzeitig lerne ich dich und deine...ich nenne es jetzt mal fachübergreifende Arbeitsweise immer noch kennen und dieses Gespräch ist einfach eine gute Gelegenheit das zu vertiefen.

00:05:32: Dieses Gefühl habe ich übrigens bei allen Gästen und deswegen habe ich mir überlegt, dass jetzt nicht so eine klassische Vita nehme um euch vorzustellen.

00:05:40: Sondern das ich den Lebenslauf bestücke mit Dingen die ich im Netz über euch gefunden habe.

00:05:46: Sag Ebo kennst du eigentlich deine Google Treffer?

00:05:49: Nein, kenne ich nicht!

00:05:51: Hast Du dich noch nie

00:05:51: gegrugelt?!

00:05:54: Okay,

00:05:55: dann ist das jetzt eine kleine Überraschung vielleicht oder vielleicht auch nicht.

00:05:59: Also ich fass mal zusammen Ibo Diop Literaturwissenschaftler Kurata und Dozent weißt du?

00:06:05: Wikipedia schreibt er isst als prominente Stimme bei der Aufarbeitung der kolonialen Geschichte Deutschlands bekannt Und dort ließ man auch, dass du im Senegal aus dem Szenegal zum Studium erst nach Paris dann in den USA nach Deutschland an die TU Berlin gekommen bist und an der Uni Potsdam über den sagen wir viel diskutierten Autor Michelle Wellbeck promoviert hast.

00:06:28: Wir erfahren im Netz das dein Leben zwischen Dakar- und Berlins stattfindet, dass Du ab zwei Jahrzehnte ein Erinnerungskonzept zur Kolonialgeschichte Berlin erarbeitet hast und zweimal Jurymitglied von Resonanzen warst Das ist das erste Schwarze Literatur-Festival in Deutschland.

00:06:44: Und, dass du Texte zur Literatur der Transkulturalität und der afrikanischen Literatur in der Welt von morgen schreibst wie es da heißt.

00:06:54: In den Tats in einem Interview erzählt, dass Du mit Deutschland vermeintlich keine gemeinsame Geschichte hättest aber mit Deutschland eine gemeinsame Zukunft haben wirst ob es dieses Land will oder nicht.

00:07:07: Und kleine Anmerk, ich vermute dass das auch daran liegt, dass du in Deutschland gebrochene Kinder hast oder aufwachsende Kinder die wie du der Tatz gesagt hast Zitat praktisch seit ihrer Geburt Rassismus-Erfahrung

00:07:19: machen.

00:07:20: Zitat von dir?

00:07:24: Und über diese Reparatur möchte ich heute unter anderem mit dir sprechen, aber eben auch über das was gerade politisch in diesem Land passiert.

00:07:44: Ibo wie fühlst du dich jetzt mit dieser Vorstellung?

00:07:51: Das würde ich alles unterschreiben und das bin ich, das habe ich gesagt in bestimmten Situationen.

00:07:59: dass nicht so viel verändert hat.

00:08:02: Man sagt sehr viele Dinge im Leben, man erzählt viel und hat dann das Gefühl oder wünscht sich, dass es das ändert?

00:08:09: Und stellt dann fest bei dieser Vorstellung, dass viele davon einfach wahr ist heute noch und realisiert ist.

00:08:17: nur eins wurde ich korrigieren.

00:08:19: Ich habe fürs Land Berlin das Konzept nicht am.

00:08:23: also seit zwanzig-zwanzig war ich noch im Humboldt Forum.

00:08:29: Das Konzept habe ich geschrieben oder schreibe.

00:08:31: Ich seit im Jahr zwei Tausend Zweiundzwanzig.

00:08:36: Siehst du, vielen Dank für die Korrektur!

00:08:37: Ich hab jetzt nicht alle Quellen gecheckt sondern so ein bisschen Potpourri gemacht aber ich freue mich in der einen Seite das du dich da wieder findest und auf der anderen Seite wenn wir über den Punkt dass sich so wenig geändert hat auch noch sprechen auch über das Humboldtforum und deine Arbeit dort.

00:08:53: Das gehört alles zum Deep Dive also das wird gleich tief eintauchen.

00:08:57: Eine zweite Idee dieses Podcasts ist nicht nur eine Netzwitter zu machen, sondern Menschen auch erst mal in ihrer viel Perspektivigkeit vorzustellen.

00:09:07: Denn dieser Podcast hat vier Folgen und wir erzählen damit eine Geschichte oder das ist zumindest der Plan.

00:09:13: Und deswegen würde ich dich jetzt gerne mit einem Fragenhagel konfrontieren.

00:09:17: geht so stelle eine kurze Frage und du gibst mir darauf eine kurzer Antwort.

00:09:25: Wofür hast Du schon gekämpft?

00:09:28: für eine Gesellschaft ohne Rassismus kämpfe ich und in einer Gesellschaft, in dem Demokrasie etwas ist was nicht nur ein Wert ist der abstrakt sondern Lebensrealitäten prägt.

00:09:43: Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachtisch?

00:09:46: Diskurs über den Kolonialismus von César.

00:09:49: Aha!

00:09:50: Eine kleine Nachtlichtüre.

00:09:53: Wofür stehst du morgens auf Ibu

00:09:56: um meine Kinder in die Kita zu bringen.

00:10:01: Sonst würdest du wie lange schlafen?

00:10:02: Klammer auf, klammer zu?

00:10:04: Sonst würde ich wahrscheinlich bis sieben Uhr... auch

00:10:07: das ist ja okay!

00:10:09: Ibo was bedeuten Werte für dich?

00:10:13: Werte sind für mich Orientierung für die Welt von morgen.

00:10:21: Das ist eine bisschen komplexere Frage, ich bin sehr gespannt und hoffe sie lässt sich kurz beantworten.

00:10:26: Was bedeutet Decolonisierung?

00:10:29: in deinen oder einfachen Worten erklärt?

00:10:32: Es bedeutet wenn man die Gabe hat die Gesellschaft auf dem Kopf zu stellen das heißt eigentlich die Wörter die heute dieser Welt ausmachen Die Auskolonialismus schöpfen die wirklich umzudrehen.

00:10:47: was bedeutet Kolonialismus?

00:10:49: Kolonialismus ist die Vernichtung der Menschheit.

00:10:54: Für dich gibt es ja keine homogenen Gesellschaften, darum die Frage was bedeutet Deutschsein?

00:11:01: Deutschsein ist die Vielheit der Gesellschaft.

00:11:05: das heißt alles was das heute Deutschland isst ist ein Ergebnis von vielen Menschen viele Lebensrealitäten viele Kulturen viele Essens Gewohnheiten, vieler Art und Weise sich anzuziehen.

00:11:22: Das ist das Ergebnis von vielen Menschen und viele Kämpfe.

00:11:28: Wie fühlt sich denn das Leben in Deutschland gerade für dich an?

00:11:33: Unerträglich.

00:11:35: Unertläglich sehr eng.

00:11:38: Rassismus ist nicht mehr etwas sehr abstrakt wo wir das in die Geschichte irgendwo platzieren sondern dass es gerade sehr sehr präsent und nicht nur Rassismus, weil Rassismus hat sehr viel mit gleich Behandlung zwischen Menschen.

00:11:57: Egal welche Hautfarbe, egal welcher sexuelle Orientierung, egal welche Position in der Gesellschaft.

00:12:06: Das fühlt sich etwas unerträglich

00:12:09: an.

00:12:10: Kennst du eine Institution in Deutschland die sich erfolgreich dekolonisiert hat?

00:12:15: Und wenn ja welche?

00:12:17: Nein, kenne ich nicht!

00:12:20: Welchen politischen Stand hat dein postkoloniales Denken und die Arbeit in diesem Feld aktuell?

00:12:27: In Deutschland könnte man sagen, man versucht das irgendwie jenseits des Deutschseins zu verstehen.

00:12:37: Und darauf alle Probleme dieser Gesellschaft darauf zu fokussieren und zu sagen dass es das Problem was wir jetzt haben mit Postkolonialismus zu tun Jenseits der deutschen Grenzen würde ich sagen dass die Zukunft der Menschheit ist, in den postkolonialen Theorien zu finden.

00:12:56: Und welchen Stand?

00:12:57: Also wie würdest du sagen... Ist der Blick darauf gerade politisch gesellschaftlich?

00:13:03: Der Blick darauf ist sehr vernichtend würde ich sagen, ist sehr einseitig geführt und hat sehr viel mit Menschen würde ich sagen, ratzifiziert sind.

00:13:19: Also Menschen die vermeintlich nicht zum Deutschland gehört sind, die postkolonialen Theorien und sie sehen das Problem für dieses Land.

00:13:26: also ist sehr viel mit Problem behaftet.

00:13:29: und vor allem Post-Kolonialismus bedeutet heute in Deutschland Antisemitismus.

00:13:36: Ja, das sind ein paar Pfunde die in kleinen kurzen Antworten bei dir drinnen stecken und ich würde jetzt sagen wir vertiefen das Ganze jetzt.

00:13:44: Wir werden über die verschiedenen Ebenen sprechen.

00:13:46: Wir hatten ein kurzes Vorgespräch IBO und ich habe über das länger nachdenken müssen.

00:13:50: da war natürlich jetzt die Zuhörende nicht dabei aber... Das war ein kurzes analytisches Gespräch so würde ich das deuten voller stiller Emotionen gerade durch.

00:14:01: Du hast auch Worte eben benutzt, wie unerträglich und ich spüre da auch so gefühlt Wände die sich auftun vielleicht bevor wir jetzt sehr rationaler einsteigen.

00:14:11: weil ich würde sagen das ist ein bisschen die Art und Weise wie wir arbeiten nationale Analyse Die emotionale und persönliche Frage Wie gehst du da gerade durch wenn du über diese Themen sprichst in dieser politischen Situation?

00:14:30: Wenn ich ehrlich bin, dann würde ich sagen... Ich gehe jetzt gerade in eine so Selbstsensur.

00:14:37: Wenn ich vor allem mit Politik spreche.

00:14:40: Dass sich versuche zum Beispiel Postkolonialismus und Decolonisierung gar nicht anzusprechen sondern bei Kolonialismus anfangen und Versuche da zu bleiben Und das so ansprechen dass ich versuche andere Wege zu finden um das anzusprechen, deswegen würde ich sagen so eine Selbstansuhr.

00:15:05: Ich habe das Gefühl dass mir an dieser Gesellschaft so daran liegt, dass sich gar nichts kontrovers diskutieren will und versuche eine Sprache zu finden die wenig theoretisch behaftet ist sondern die eigentlich um Grundwerte geht, um Platz in der Gesellschaft zu finden.

00:15:28: Um eigentlich überhaupt atmen zu können.

00:15:31: und also ich versuche wirklich so Emotionen, Sinnen So umzuschreiben dass sie das genau das bedeuten was ich Post oder De-Kolonisierung Wie ich das theoretisch eigentlich sagen würde, würde.

00:15:51: ich versuche es wirklich so zu übersetzen.

00:15:53: Aber in dieser Übersetzung merke ich ständig dass sich eine Art intellektuelle Sensor betreibe um darüber zu sprechen.

00:16:05: Ich weiß nicht ob ich das deine Frage beantworten werde.

00:16:08: Das resoniert total bei mir weil dieses Umschreiben von Schlagworten ist glaube ich ein bisschen das was du beschreibst.

00:16:14: also andere Worte finden für Menschlichkeit im Endeffekt, wenn wir es so zusammenfassen.

00:16:21: Und dieser Podcast hat die Überschaft der Erinnerungskämpfe.

00:16:24: also es geht um Erinnerungen und in dieser Folge reden wir natürlich auch über den Kolonialismus weil sonst würde es kein Post-Kolonialismus und sonst würdest du die Frage von Aufarbeitung nicht geben?

00:16:34: Lass uns da genauer hinschauen!

00:16:35: Weil das ist auch eine Schnittmenge, die wir beide ja haben.

00:16:38: Du bist Kultur schaffender im weitesten Sinne.

00:16:40: ich bin Journalistin, biografisch gibt es Erfahrungen, diesen Blick auf ein vermeintliches, gesellschaftliches Normal das zu hinterfragen die deutsche Geschichte anders zu denken.

00:16:51: Das ist die Richtung in die wir ja versuchen aktiv zu sein und das wiederum hat eben mit dieser Vergangenheit zu tun die unser heute prägt dass du jetzt auch sehr eingängig beschrieben hast.

00:17:03: Du hast in der online zugänglichen Publikation das Stadtmuseum Berlin Decolonisieren Von Anfang dieses Jahres geschrieben.

00:17:10: Zitat, ja eine andere Zukunft will muss mit der Gegenwart beginnen.

00:17:15: Und wer die Gegenwart verändern möchte, muss auch Geschichte neu erzählen was auch bedeutet neue bisher ungehörte verdrängte oder mutwillig ausgeschlossene Geschichten zu erzählen.

00:17:27: Welche Geschichten werden ausgeschlossen?

00:17:30: Was erzählst du in deinen Räumen gerade wenn Du darüber sprichst?

00:17:34: Vielleicht einfach hier wirklich sehr konkret Wenn wir über die jüngere deutsche Geschichte sprechen und vor allem das, was in Deutschland zumindest aus einer bestimmten Perspektive sehr gut aufgearbeitet ist.

00:17:51: Und dass auch jetzt gerettet wird, weil die postkolonialen Theoretiker, die Musliminnen dieses Land, die Ausländer dieses Land kommen mit Werte, die nicht mehr unsere sind – sie sind Antisemit, Sie kennen unsere Werte nicht!

00:18:04: Sie sind zu muslimisch, sie sind zu schwarz, sie Und deswegen muss man sie in eine Ordnungsmuster des Deutschland hineinbringen.

00:18:15: Deswegen müssen wir die hier sind nochmal neu integrieren und vermeintlich unsere Grenzen so schließen, dass für uns jeder der hereinkommt, uns genau aussuchen muss nach unseren Bedarfen.

00:18:28: Wenn man zurückgeht Kolonialismus hat auch nicht anders funktioniert das hat genauso funktioniert.

00:18:34: aber noch mal zurück zu der jüngeren Geschichte bzw.

00:18:37: die Geschichten, die nicht erzählt werden.

00:18:40: Im Zweiten Weltkrieg bzw.

00:18:42: nach neunzehnhundertdreißig als die Nazis das Land übernommen haben.

00:18:48: und in diesem Krieg hat Frankreich – in dem Falle ist das was mir näher ist, was ich noch viel besser kenne – so dass es Menschen also schwarze Soldaten rekrutiert wurden.

00:19:00: Diese schwarzen Soldaten haben an der Seite von Frankreich gegen Nazi Deutschland gekämpft.

00:19:06: In die einigen Geschichten werden sie als Kanonfutter beschrieben.

00:19:10: Unter dieser Soldaten war der Großvater.

00:19:16: Ich weiß auch, dass er in Deutschland gekämpft hat, weil mein Großväter, bevor er gestorben hat, angefangen Deutsch zu sprechen und das heißt diese Leute haben auch Deutschland befreit von den Nazis.

00:19:30: Wenn ich das jetzt so sage, möchte ich einfach nur sagen.

00:19:33: Dass es heute Deutschland von Nazi befreit ist hat auch sehr viel damit zu tun dass sehr viele Soldaten aus Südsaharischen Afrika was man heute oder Nordafrika aus Afrika allgemein gegen Deutschland gekämpft haben und dass diese Geschichte nicht erzählt wird.

00:19:53: Es wird einfach nicht erzählt, das Deutschland unter anderem auch befreit wurde von den Nazis weil Soldaten aus den Kolonien an der Seite von Frankreich oder Großbritannien gekämpft haben.

00:20:06: Das ist zum Beispiel eine Geschichte die nicht erzählt.

00:20:10: Ja, die Geschichte deines Großvaters ist ein sehr bildliches Beispiel für die Westafrikanischen.

00:20:16: Würde ich jetzt auch lernen Soldatinnen, die gekommen sind und auch diese Verstrickung, diese Verbindung?

00:20:20: Du hast deine Antwort auf meine Frage der Geschichte des Kolonialismus angefangen mit der Migrationsgesellschaft heute.

00:20:26: Und das ist eigentlich auch der Punkt was hat das damals mit dem Heute zu tun?

00:20:32: und lass uns da noch ein bisschen tiefer reingehen weil irgendwie begleitende ein bisschen geschichtskunde zu machen in diesem podcast irgendwie das ist wichtig.

00:20:42: ich war du hast jetzt von der französischen perspektive gesprochen ich bin in deutschland sozialisiert also mit der geschichte des deutschen kolonialismus der mir in der schule ja nicht wirklich vermittelt wurde.

00:20:52: also ich habe ja nachschulische aufarbeitung gemacht wissenstransfer mit mittels zwanzig ich bin jetzt forty um dann von dem Völkermord an den Herr Ero Nama und Sunn zu erfahren, der zu dem Zeitpunkt, als ich mich damit auseinandergesetzt habe noch gar kein anerkanter Völkmord war.

00:21:08: Weil das ja erst einundzwanzig passiert ist.

00:21:10: Und wir reden hier über einen Krieg, der zwischen nineteenhundert vier und neunzehnhundert acht im heutigen Namibia passiert ist bei denen zehntausende Menschen nicht nur ausgebeutet unterdrückt sondern vernichtet wurden in einem Vernichtungsfeldzug.

00:21:23: Das kann man alles nachlesen.

00:21:25: Ich könnte jetzt länger darüber sprechen.

00:21:27: Es soll zumindest angesprochen sein und das tue ich auch mit einer Note, die heißt wir hatten... Ich war jetzt auf einem Treffen der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland.

00:21:36: Die zählt zur zweiten schwarzen Bewegung.

00:21:38: es gab ja die erste schwarze Bewegung schon nach dem ersten Weltkrieg also Schwarze menschen waren immer hier in deutschland Und da war.

00:21:46: eine junge frau hat einen filmprojekt vorgestellt ein dokumentarfilm projekt das heißt sorry for the genocide und sie sagte dann Ich habe vor fünf Jahren erst von diesem Genozid erfahren.

00:21:59: Und dann dachte ich, ich weiß nicht wie alt die Frau war, ich hab sie jetzt mal Mitte zwanzig geschätzt und dachte so es ist wie so ein wiederholendes Story.

00:22:06: Ich musste aufarbeiten so spät... Die gleiche Generation muss das!

00:22:10: Sie bekommt diesen Zugang zu Geschichte nicht.

00:22:12: Wie ist dein Eindruck?

00:22:14: Ist diese Geschichte einfach nicht nur nicht erzählt sondern nicht präsent obwohl es viele Menschen gibt die sagen würden na wir haben doch jetzt genug darüber besprochen.

00:22:26: Also ich meine, es ist bewusst nicht erzählt.

00:22:32: Es ist ja nicht dass diese Geschichte nicht nur das hier nicht passiert ist.

00:22:35: deswegen erzählt man das nicht hier.

00:22:37: Ich habe vom zweiten Weltkrieg im Senegal gelernt.

00:22:41: bevor ich hier gekommen bin also in mein Abi war der zweite Weltkrig einer wirklich bedeutendes Ereignis.

00:22:49: also das kommt fast immer zu Abi Prüfungen.

00:22:53: Also wir reden und lernen und auch lesen, dass Hitler mein Kampf geschrieben hat.

00:23:00: Dass Hitler demokratisch gewählt wurde.

00:23:02: Wir reden über diesen Krieg hier in Deutschland was das für die Menschheit bedeutete Und es kommt auch noch dazu... Das war nicht nur der zweite Weltkrieg sondern auch der erste Weltkrig.

00:23:15: Da sind auch Soldaten aus Westafrika.

00:23:19: Europa gegen Deutschland, in Frankfurt am Mainz sind Grabnissen von schwarzen Menschen die im zweiten Weltkrieg teilgenommen haben.

00:23:29: Entweder waren sie schwarze Afroamerikaner oder schwarzer Menschen, die aus Westafrika kamen.

00:23:36: Dass diese Geschichten nicht erzählt werden und dass wir als Migration also Menschen die vermeintlich hier migriert haben dieser Geschichte uns selbst erarbeitet wollen.

00:23:49: Es sind auch andere Geschichten und andere Lebensrealitäten, die erzählt werden müssen vor allem wenn wir diese Gesellschaft nicht aus seinem heutigen Sicht, aus seiner Vergangenheit wie das erzählt wurde sehen sondern wie soll dieser Gesellschaft in Zukunft aussehen?

00:24:05: Also Wie müssen Schulen in Zukunft Aussehen damit alle Menschen die heute hier sind die noch der Ziel kommen, die wir noch nicht mal wissen aus wo sie kommen werden.

00:24:20: Ob sie hauptsächlich aus Australien, aus Papua New Guinea oder aus China kommen müssen sie vorbereitet sein für diese Welt von morgen an dem Deutschland eine großen Teil haben wird weil es nicht nur wirtschaftlich einfach ein mächtiges Land ist Und diese Mächtigkeit wird sich auch übersetzen, mit wie vielen Menschen hier leben und wie können wir sie in der Erzählung dieser Gesellschaft mit berücksichtigen.

00:24:50: Ich glaube, wir vergessen auch das Aufarbeitung oder die Art und Weise, wie wir über Aufarbeitungen, über die Geschichte sprechen – es ist nicht die Geschichte, die passiert ist, sondern das ist eine Vorstellung von dem, wie Wir Die Welt im Zukunft sehen!

00:25:08: Also will sagen Erinnerungsarbeit ist die Art und Weise, wie wir über Geschichte sprechen.

00:25:14: Man könnte sagen, dass Erinnerung arbeit ist die diskursive Herangehensweise von Geschichte, die tatsächlich passiert ist.

00:25:25: Und wenn wir das so sehen – wenn wir die Erinnerungen als ein Werksehen, als eine künstlerisches Werksehen, wo Künstlerinnen, Schriftellerinnen, Essistinnen sich damit auseinandersetzen was diese Gesellschaft in Zukunft erfahren hat, das aus heutiger Sicht in die Zukunft zu projizieren.

00:25:45: Dann haben wir es nicht nur mit einer Realität, die passiert ist sondern mit einer Vorstellung.

00:25:49: und dieser Vorstellung hat nicht wie Hitler das hatte für dieses Land dass der Mensch, der hier in Deutschland weiß ist, blond ist und blau Augen hat.

00:26:01: Sondern diese Vorstellung von Deutschland in der Zukunft hat im besten Falle keine Vorstellung von einer bestimmten Typus von Menschen oder in der Möglichkeit eine Pluralität an Menschen, die dieses Land tragen werden.

00:26:18: Deswegen habe ich das auch gesagt – ob dieses Land will oder nicht sind dieser Menschen schon da und sie werden nicht gehen!

00:26:26: Ich mag diesen Gedanken weil der podcast hat die frage was ist uns die plurale demokratie wert?

00:26:32: und eigentlich erinnerst du jetzt daran dass wir uns eigentlich erst mal klar machen müssen oder wieder klarmachen müssen.

00:26:37: also die detail sind wissen schon das wir eine Migrationsgesellschaft sind, dass die Pluralität längst da ist.

00:26:44: Und ich habe auch sehr oft das Gefühl ,dass die Erzählweise und das meinst du glaube ich auch mit Diskurs also wie erzählen wir diese Gesellschaft viel zu einseitig erzählt wird?

00:26:54: Also wir brauchen mehr Pluralitäten in den Geschichten.

00:26:57: Das trifft mich natürlich sehr weil in Geschichten und im Schreiben da finde ich mich auch wieder.

00:27:02: Aber da ist natürlich jetzt immer wieder die Frage, wie lässt sich das politisch übersetzen in einer Zeit des politischen Backlashes?

00:27:09: In der – und um es ganz konkret zu machen im Bereich der Arbeit der Erinnerungskultur.

00:27:15: Der Kolonialismus ausgeklammert werden soll!

00:27:18: Und du hast einmal gesagt, bevor ich auf diesen politischen Zweikommel, die Kolonisierung ist kein Debattenthema sondern eine Haltung.

00:27:26: sie erfordert Mut in der Handlung.

00:27:29: Und die Kolonisierung hast du gesagt, fragt nach einer neuen Ethik der Beziehung und stellt nicht nur die Frage ob und wie mit kolonialem Raubgut oder Objekten umzugehen ist.

00:27:40: Was meinst Du mit diesem Mut in politischen?

00:27:44: Mut zu handeln und Handeln?

00:27:47: bedeutet das wir nur in Bildungsarbeit wenn wir konkret da reingehen dass wir nicht mehr also ich bleibe in der Philosophie Ethik, wir werden nicht nur Kant oder Hegel lesen.

00:28:09: Sondern neben Kant und Hegel ist jemandem wie Schahante Job, Leopold Sedatsagor, Langston Hughes, Homibaba – dass alle dieser intellektuellen nebeneinanderstehen und nicht in keine Hierarchie im Sinne eine Vielheit von Wissen und Perspektivität.

00:28:30: Denn es geht nicht darum zu sagen Wir zeigen aus deutscher Perspektive, wie großartig unsere Schriftstellerinnen, unserer DenkerInnen waren.

00:28:42: Sondern wie großert es sind sie in der Relation mit anderen Schriftstellern.

00:28:50: Wie können wir heute Kant anders lesen?

00:28:53: Ich als Senegal geboren und nicht in Deutschland hatte Kant in der Schule zu Abi Zeit.

00:29:02: Aber neben Kant haben wir auch jemanden wie Kent Bogul gelesen.

00:29:08: Wir haben neben Ken Bogul Chech Ahmedou kanl gelesen und neben Aminata Sofal haben wir Marguerite Duras geleben, neben Duras Simon de Beauvoir.

00:29:18: Das ist alles sehr francopholen und francophiel belastet.

00:29:23: aber wenn wir versuchen Beauvoir, Simon du Beauvoir unter den Brillen von Aminatta Sofal oder Mariam Abbasu verstehen und zu lesen, dann lesen wir nicht nur Simone de Beauvoir über eine Gleichstellung zwischen Mann- und Frau-, zwischen Jander- und Politik.

00:29:44: Sondern wir lesen Simone du Beauvoir in den Brillen von Mariam Abadi nicht nur die Rolle einer Frau spricht sondern die Rolle der Frau in einer Polygambeziehung was in einem europäischen Verständnis nicht mehr vorstellbar ist aber in anderen Kulturen vorstellbar ist und dafür Ansätze gefunden wird, wie man damit umgeht.

00:30:08: Mir geht es nicht darum zu wehrten oder zu bewerten ob das gut oder schlecht ist.

00:30:13: mir geht es darum da reinzugehen und zu schauen welcher viel Perspektivität gibt es hier?

00:30:19: Und wir können sie nebeneinander stehen und nicht in eine Herazisierung!

00:30:23: Und mir geht's wirklich um der Mensch an sich.

00:30:27: und dieser Mensch hat keine Farbe, hat keine Religion.

00:30:33: Hat keine Sexualität ist zugleich ein Kind.

00:30:37: Er hat Beeinträchtigung, ist nicht so normativ gebaut.

00:30:42: und nachdem wird nicht ein Tisch gebaut und nur für dieser Person ist dieser Tisch oder für ihn wird nicht eine Tür so eingerahmt sondern man hat eine Vorstellung von einem Mensch das ist... Das ist für unsere Vorstellungen vielleicht Total nicht erreichbar, aber für mich gibt es nicht was erreichbares.

00:31:08: Das ist ein schöner Punkt.

00:31:10: Wenn ich ihn für mich so zusammenfasse dann ist das für mich eine intersektionale Perspektive.

00:31:15: Es ist jetzt ein Fachbegriff aber der steht auch dafür Menschen eben nicht in homogenen Gruppen oder Einteilungen zu verstehen.

00:31:21: also Du bist nicht nur ein schwarzer Mann, ich bin nicht nur eine Schwarze als Frau.

00:31:26: Sondern wir sind so vieles mehr in unseren Identitäten und Erfahrungen.

00:31:29: Wir haben auch Überschneidung.

00:31:32: Und diese überschneiden sich eben auch mit anderen Menschen.

00:31:34: also wird so wie wir eben auch Geschichte teilen.

00:31:37: die Geschichte wie du zum Beispiel über dein Großvater beschreibst den nicht erzählt wird aber eigentlich ein verbindendes Element ist zb im Kampf für die Demokratie gegen dies damals noch nicht gab gegen die Nazis das Das schwind alles in meinem korb das nennt sich ja auch transkulturelle räume zu entdecken also den wert eben auch weil wenn wir über pluralität sprechen, dann sprechen wir auch eigentlich über eine vermischung von wehrten und die frage nach welche werte wurden als dominant verhandelt.

00:32:05: Welche gibt es da noch?

00:32:07: was lässt sich aus verbindungen herstellen?

00:32:09: das sind alles so gedanken dich habe und die von denen ich glaube dass sie Würde man die postkoloniale Forschung und beispielsweise die Antisemitismusforschungen, die Geschichtsarbeiten nicht... Und das ist glaube ich der Punkt den ich nochmal deutlich machen wollen würde in diesem Podcast.

00:32:25: Nicht in einer Konkurrenz oder Hierarchie wie sie oft formuliert wird.

00:32:29: Das heißt du ganz zu Anfang das Podcast ja angesprochen, sondern in einer Gleichzeitigkeit ohne Vergleich zu thematisieren.

00:32:37: Das sind ja auch Arbeiten die du machst ob es jetzt dass deine aktuelle Arbeit mit Max Jollek im Haus der Kultur der Welt in Berlin ist oder andere Projekte diese dieses zusammen und des solidarische Bevor ich auf diesen politischen Backlash den ich jetzt schon mal angekündigt habe eingehe.

00:32:54: vielleicht magst du das nochmal deutlich machen was das Konkret für die Arbeit bedeutet diese Gleichzeitigkeit und auch gerne gepaart mit deinen Beobachtungen, die du gemacht hast als du nach Deutschland gekommen bist.

00:33:05: Weil darüber haben wir ja auch gesprochen was die Aufarbeitung der Shoah angeht.

00:33:10: Und weißt Du?

00:33:11: Da bin ich wieder wirklich zurück zu den postkolonialen Theorien weil in Deutschland wird ganz oft gesagt dass sie Antisemit sei.

00:33:21: Mir geht es gar nicht darum zu sagen nein das stimmt nicht.

00:33:24: aber ich habe ein anderes Vorgang Und mein Zugang ist, dass ich ohne Postkolonialismus würde.

00:33:30: Ich weiß ja nicht ganz wenig über Shoa wissen und ich habe das Gefühl, dass sehr viele Menschen die über Postkolonalismus sprechen gar nicht den Postkolonyalismus zumindest das was sich gelesen habe und die AutorInnen die in meinem Lieben begegnet haben ganz etwas anderes gemacht haben als das was ich in Deutschland gesehen habe und heute noch sehe.

00:33:53: Ich habe vorhin gesagt, dass ich jetzt gerade über den Kolonialismus von César lese.

00:33:58: Dieses Buch lese ich gefühlt zum zwanzigsten Mal.

00:34:02: ist ein kleines Buch wirklich noch nicht mal hundertzeiten das sind seventy-seiten es ist ein Kleines Büchlein und ich hab dieses Buch zum ersten Mal gelesen.

00:34:16: da war ich siebzehn und seitdem egal wo ich bin begleitet mich dieses Buch.

00:34:25: In dem Buch sagt Césaire, dass wenn wir im Westen über Kolonialismus nachdenken sollten oder wenn wir das aufarbeiten dann müssten wir uns anschauen was im Zweiten Weltkrieg überhaupt in Deutschland und in Europa möglich war.

00:34:48: Später wurde Césare vorgeworfen, dass er Antisemit sei und den Holocaust relativ wird.

00:34:57: César ist jemandem, der in dem er einen Werk geschrieben hat über, wo er zurück ins Landesgebot geschrieben hat.

00:35:09: Wo er versucht hat nachdem er Macht nicht verlassen und in Frankreich studiert hat gesehen hat und Senghor getroffen hat und zum ersten Mal schwarze Menschen getroffen haben die frei waren, die frei gedacht haben die keine Sklaven oder versklavte Menschen hatten in der Familie.

00:35:30: Schwarze Menschen, die Königinnen ... Die Königssohne-Königinensöhne waren, die in Paris ganz gerade gelaufen sind nach Rechte gefordert haben.

00:35:43: Hat den Zweiten Weltkrieg überlebt und hat dann nineteenhundertfünfzig über den Kolonialismus geschrieben.

00:35:53: Da waren noch sehr viele Länder nicht Unabhängig und hat versucht zu verstehen, was Kolonialismus mit Antisemitismus zu tun.

00:36:04: Und in der Art und Weise wie er das Diskursiv macht, versucht er die Gleichzeitigkeit von Geschichten klarzumachen und aufzuzeigen, was das eine miteinander so tut.

00:36:19: Geschichte wiederholt sich nicht!

00:36:21: Das, was in Kolonialismus passiert ist, ist das, was im Kolonalismus passiert.

00:36:26: Dass wir es in der Showa passierte, ist dass, was die Shower passierte.

00:36:30: Geschichte!

00:36:31: Und das hat uns Chef Antonio gesagt.

00:36:34: Geschichte wiederholt sich nicht.

00:36:38: Was einmal passiert ist steht da und ist da passiert.

00:36:43: Und das haben natürlich all diese Dinge miteinander zu tun.

00:36:46: aber das ist nicht das Gleiche Und das sollten wir gar nicht gleichsetzen, aber wir können die Gleichzeitigkeit von Geschichten sprechen.

00:36:54: Wie gehen wir damit um Menschen, die all dieser Erfahrung in sich tragen?

00:37:02: Ich finde gerade den letzten Satz, den du gemacht hast so wichtig.

00:37:09: Es geht nicht um den Vergleich oder Relationen und ich bin auch ein bisschen müde, um ehrlich zu sein von dieser Diskussion, weil ich merke die meisten Erfahrungen und Wissen sammle in dieser Gleichzeitigkeit, die du beschreibst und auch gleichzeitig lesen.

00:37:25: Und beim Wiederlesen von Franz Fanon, der ja auch in die französische Amie eingetreten ist um den Faschismus zu bekämpfen.

00:37:31: Ein Zitat gefunden wo er schreibt, wann immer du hörst wie jemand Judenschmäh hört genau hin, denn es spricht von dir und den kennst du wahrscheinlich auch?

00:37:42: Jetzt auf die aktuelle Politik geblickt.

00:37:44: Es ist jetzt so dass der neue Kulturstaatsminister sozusagen ein neues Erinnerungskonzept vorstellen will für Deutschland Und seine Vorgängerin Claudia Roth eigentlich sozusagen ein auch, ich sag mal veraltetes Konzept das seit deiner Neunzehnten bestanden hat und im Jahr zwei Tausend Acht überarbeitet worden ist.

00:38:02: Beispielsweise dazu zählte eben auch das Gedenkstättenkonzept ändern wollte.

00:38:08: Um es kurz zusammenzufassen bisher berücksichtigt waren die Zeit des deutschen Faschismus und der damit verbundene Holocaust die Zeit der DDR Und Roth wollte drei weitere Bereiche berücksichtigen.

00:38:20: Das war einmal die Geschichte der Einwanderungsgesellschaft, die wechselhafte Geschichte der Demokratie und eben auch die Verbrechen des deutschen und europäischen Kolonialismus.

00:38:29: Und das wurde auch ganz viel diskutiert von Gedenkstätten-Seiten.

00:38:34: Darüber habe ich auch viel gearbeitet.

00:38:37: aber es war nicht die Frage nicht über eine Erweiterung und Gleichzeitigkeit nachzudenken sondern eben die Kritik etwas gleichzusetzen.

00:38:45: Gleichsetzen ist natürlich etwas anderes als Gleichzeitigkeit oder gleichzeitig zu betrachten.

00:38:50: Und jetzt gibt es eben diesen neuen Turn in der Politik und auch darüber gibt's natürlich Kritik, das alles zurückzudrehen ums zu verkürzen kann man nachlesen.

00:38:59: Der Historiker Jörg Gansen Müller hat in dieser kleinen Debatte die für mich wirklich am Rand stattfindet habe ich sie irgendwie auch in die Mitte holen will.

00:39:07: Eben nochmal betont dass die Gedenkstätten nur formuliert hätten, dass eine Gleichsetzung unterschiedlicher Verbrechen problematisch ist, aber sehr wohl so wie du es ja auch beschreibst die teen holocaust s ed-unrecht und kolonialismus unter einem rahmen gefasst werden können zum beispiel indem man sagt staatliche massen verbrechen des neunzehnten und zwanzigsten jahrhunderts.

00:39:31: Und ich hatte ja das interview mit dir in der berliner zeitung erwähnt im fragen hagel ganz am anfangen und da hast du gesagt und wenn wir nur einen menschen vergessen erreichen wir den human universalismus nicht.

00:39:43: Wie verlieren wir Diesen, also Menschlichkeit jetzt nicht aus den Augen.

00:39:49: Indem wir die Herassisierung der Menschheit durchbrechen und nicht mehr unterrichten.

00:39:54: Weil bis heute lehren wir in Universitäten, in Schulen eine Heraschie von Menschen sein.

00:40:01: Das ist in unserer.

00:40:03: Kulokular-Rassismus wird jetzt nicht so als ein Problem gesehen von Deutschland sondern ein Problem von Außen.

00:40:10: Gleichzeitig sterben Menschen tagtäglich weil sie schwarz sind.

00:40:14: Feminizistil von unserer Gesellschaft und wird jetzt.

00:40:18: es wird sogar verboten, dass wir jendern in bestimmten Institutionen.

00:40:22: Und Kolonialismus hat mit all denen zu tun.

00:40:24: aber zurück zu deiner Frage und dieser Satz ist übrigens gar nicht von mir.

00:40:29: Das ist schon wieder von den vermeintlich postkolonialen Antisemit die jetzt nicht irgendwie zivilisiert genug sind.

00:40:37: deswegen haben sie diese Vorstellung von Menschen, die nicht mit unseren Werten zu tun hat.

00:40:43: Also der Westen möchte sich gar nicht mit den postskolonialen Theoretikern identifizieren und das ist eigentlich der Diskurs, der hier mitläuft.

00:40:54: Das sind Menschen, wie gar keine Kultur haben Die nicht zivilisiert wurden Die nicht genug in der Geschichte hineingedrungen sind.

00:41:03: Deswegen wollen wir uns nicht mit denen identifiziert.

00:41:06: Und ich glaube Senghor hatte gesagt Das ist der Satz, in der Welt von geben und nehmen.

00:41:15: Wenn wir nur eine Zivilisation, wenn wir nur einem Menschen vergessen würden, würden wir nicht in dieser Welt von Geben und Nehmen.

00:41:27: Und Senghor hatte da im Blick Wir leben in einer Welt, in dem ich was gebe dafür etwas nehme.

00:41:40: In dieser Wechselwirkung ist die Menschheit.

00:41:46: Und da maut das, dass wir immer in einer Welt sein werden indem wir etwas hergeben und dafür was anderes nehmen.

00:41:56: Und diese Hergeben und was Anderes nehmen sind wir gesungen alle Menschen, alle Kulturen und wirklich alle!

00:42:08: mit da reinzunehmen.

00:42:09: Das ist natürlich eine Vorstellung von Weltsein, die in der Vorstellung des Westen gar nicht möglich ist!

00:42:20: Weil der Westen ist so gut, so demokratisch, so gleichberechtigt und so avanciert dass es gar nicht den Anspruch hat irgendetwas von außen zu nehmen weil wir hier alles haben Wir brauchen gar nichts von den anderen.

00:42:40: Was ja eigentlich aber nicht stimmt, wenn du in eine politische Realität guckst und das ist ja auch das was jetzt so vielen Menschen und vor allem auf dem politischen System auf die Füße fällt?

00:42:51: Wenn wir gucken wo Deutschland steht und der vermeintliche Weltmeister der Aufarbeitung und sozusagen dass die Lehre aus der Vergangenheit so gut gemacht worden wäre dann hätten wir sicherlich nicht die politischen Zeiten die wir jetzt haben.

00:43:06: Ich

00:43:06: möchte das einfach nicht so stehen lassen mit dem Staatsminister und mit dem Konzept von Claudia Roth, weil ich glaube da hat sich auch etwas gezeigt was total wichtig ist dass wir wirklich darüber reden und wie Politik eigentlich funktioniert.

00:43:23: Claudia Roth das hast du sehr gut erklärt wollte des Gedankkonzepts was ja ein Förderkonzept ist das heißt in diesem Gedenkkonzept war das ja oder sollte es der Ort sein, an dem man darüber redet welche Einrichtung wie viel Geld bekommt also wie die Mittel verteilt werden.

00:43:44: Claudia Roth sagte jetzt lass uns nicht nur darüber sprechen wer wieviel bekommt sondern dass wir das erweitern weil dieser Gesellschaft ist anders geworden und wir müssten da rein andere Säulen auch gedenken und das auch vielleicht mit Geld untermauen aber hat nicht gesagt mit wie viel Geld sie das finanziert.

00:44:07: Das ist gescheitert und da haben Diskussionen geführt, bis heute weiß man nicht wer dafür oder dagegen war.

00:44:15: es gab sehr viele Debatten die in Foyoton geführt wurden.

00:44:18: du hast dich auch damit auseinandergesetzt.

00:44:21: hat er auch noch mit da reingebohrt?

00:44:22: andere haben da rein gebohrt und haben versucht zu verstehen.

00:44:26: aber diese Diskussion wurde so geführt dass man versucht hat eigentlich am Ende nur über den Kolonialismus geredet und nicht über die anderen Säulen, die auch da drinnen standen.

00:44:36: Demokratiegeschichte und Migrationsgesellschaft – man hat viel mehr über den Colonialismus gesprochen!

00:44:42: Jetzt haben wir eine neue Staatsministerin, der auch sehr kontrovers diskutiert wurde.

00:44:47: Für mich war das so, als ich wusste, dass er das wird.

00:44:53: Dass er sehr viele Dinge geschrieben hat, über die ich eigentlich nicht damit einverstanden bin Und aber ihn eigentlich eine Chance geben wollte, um zu schauen was macht er eigentlich wenn er jetzt kommt.

00:45:04: Er einer seiner ersten Äußerungen in der Öffentlichkeit war und das hast du jetzt auch gesagt dass er nicht den Kolonialismus gedenken wird.

00:45:14: also das heißt Kolonionalismus wird nicht Teil diesen Gedenkkonzept.

00:45:19: Er sagt aber nicht was er dazu macht.

00:45:22: Nein das kommt ja erst nicht.

00:45:23: Das ist für mich und das ist wirklich für mich das völlig interessante der sagt, ich nehme das nicht rein.

00:45:30: Er sagt aber nicht was er dazu macht und in Koalitionsverstrag steht dass er aber ein Konzept zu einem Lern- und Erinnerungsort so Kolonialismus schreiben wird.

00:45:42: Und dazu verliert er kein Wort!

00:45:46: Das finde ich als sehr gefährlich und sehr problematisch und auch wirklich bezeichnend für dieses Land wie diese Diskussion jetzt gerade geführt wird.

00:45:59: Und jeder von uns weiß auch eigentlich, in welcher Richtung das geht.

00:46:04: Das sieht man indem man den Regenbogen fahren im Bundestag nicht mehr histen will.

00:46:09: Das seht aber auch dass man zu Themen wie Diskriminierung oder Rassismus die eingestellt werden, dass die Mittel gekürzt werden Man merkt auch in den Diskurs, dass plötzlich nicht mehr genauso wie ich versuche Nicht Kolonialismus, Postkolonialismus Rassismus anzusprechen Sondern das umzuschreiben.

00:46:31: Genau das passiert in der Gesellschaft.

00:46:33: Also wir gehen wieder in eine Art Normalisierung oder Normativität Eine Gesellschaft die Homogen wird Und das wird keiner überleben.

00:46:44: und Das ist unsere Verantwortung alle dieses Land so vielfältig zu denken und wirklich umzusetzen wie möglich, denn es geht nicht um diejenigen, die heute leben.

00:46:57: Es geht darum wer in diesem Land morgen lebt und welcher Verantwortung wir heute dafür

00:47:05: haben.".

00:47:07: Danke Ibo!

00:47:07: Wir sind da, um unsere Gesellschaft zu reparieren.

00:47:11: das hast du einmal gesagt?

00:47:13: Das habe ich zu Anfang erwähnt Und jetzt hast du eine Antwort darauf gegeben, wie wir in die Reparatur gehen könnten wenn wir den wollten.

00:47:24: Erinnerungskämpfe so heißt dieser Podcast der für mich nicht nur vom Kampf um Deutungshoheit der deutschen Erinnerungskultur handelt sondern eben auch für die Wehrhaftigkeit in der Geschichte und wie wir gehört haben auch in der Gegenwart stehen kann.

00:47:40: Und weil es in dieser Folge eine afrodiasporische Perspektive auf Erinnerungsdiskurse in Deutschland gab, möchte ich mit einem afrofuturistischen Visionsdenken enden.

00:47:49: Weil das für mich eine Form der Selbstbestärkung ist und Selbstbestärke als Widerstand ist eben auch Teil der schwarzen Bewegung.

00:47:58: Und so ende ich mit einen Zitat des Science-Fiction-Autorin Octavia Butler aus ihrem Buch Parable of the Talents also Gleichnis der Talente von.

00:48:09: Ich übersetze ihre Zeilen ins Deutsche wie folgt.

00:48:12: Um zu überleben, lerne von der Vergangenheit Von vergangenen Bräuchen Kämpfen Führenden und Denkenden.

00:48:19: Lass dir von ihnen helfen Dich inspirieren Warnen und stärken.

00:48:23: Vergangen- heit ist Vergangenheid.

00:48:26: Was war kann nicht wiederkehren.

00:48:29: Um zu Überleben musst du die Vergangenheid kennen.

00:48:33: Lasst dich von ihr berühren Dann lasst die Verganganheit los.

00:48:39: Danke, Ibo für das Gespräch.

00:48:41: Danke dir!

00:48:42: In der nächsten Folge geht es dann weiter mit meiner Gästin der Politikwissenschaftlerin Natascha Strobel und unser Thema wird sein Survival of the fittest was Menschen wert sind bis dann.

Über diesen Podcast

Warum Geschichte immer Gegenwart ist, besprechen wir mit unseren Gästen im History & Politics Podcast.

Wir zeigen, wie uns die Geschichte hilft, die Gegenwart besser zu verstehen.

von und mit Körber-Stiftung

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